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Freundschaftstreffen mit der Kommunistischen
Jugend Venezuelas
In Venezuela findet momentan ein Prozess der nationalen Befreiung
in Form einer friedlichen, demokratischen Revolution unter der Führung
des Präsidenten Hugo Chavez statt. Es ist noch kein sozialistischer
Prozess, aber eine Volksbewegung. Es existiert ein breites linkes Bündnis,
u.a. mit der „Bewegung zum Sozialismus“ und der KP Venezuelas. Auch in der
Bevölkerung gibt es breite Unterstützung. Die 80% der Bevölkerung,
die in Armut leben, unterstützen den Prozess, außerdem noch kleine
Teile der Mittel- und Oberschichten.
Die Bolivarianischen Kräfte bilden die "Befreiungsbewegung 200". Die
Basisstruktur sind die bolivarianischen Zirkel, die sich im Aufbau befinden.
Nach der Verabschiedung der neuen Verfassung, wird an drei Themenkomplexen
diskutiert und gehandelt.
1. Gewerkschaftsbereich: Die Gewerkschaften sind zur
Zeit noch von Sozialdemokraten und Rechten dominiert. Ziel der revolutionären
Kräfte innerhalb der Regierung ist deshalb der Aufbau einer klassenorientierten,
starken und revolutionären Gewerkschaft. Im Oktober 2001 gibt es einen
Kongress.
2. Bodenreform: In Venezuela gibt es eine großen Anteil
an Großgrundbesitzern. Ziel ist eine Verteilung des Landes. Das Problem
der landlosen Bauern und der Abhängigkeit von den Großunternehmen
muss gelöst werden. Insgesamt soll dadurch die Ernährungssituation
verbessert werden. Durch eine solche Bodenreform könnten sich die Klassengegensätze
zuspitzen und es kann eventuell zu Gewalt kommen.
3. Soziale Sicherheit (Rente und Gesundheit): Vor der Revolution
setzte sich in Venezuela ein neoliberaler Kurs durch und es kam zu Privatisierungen
auch der sozialen Leistungen. Die neue Verfassung schreibt jetzt vor, dass
Rentenkassen nicht gewinnorientiert arbeiten dürfen. An dieser Frage
gibt es scharfe Konfrontationen mit den Rechten.
Venezuela ist eines der wichtigsten OPEC-Länder. Das
Hauptziel der Wirtschaftspolitik ist, die Abhängigkeit von den USA
zu verringern. Bisher stammen 70% aller Importe aus den USA. Deshalb sucht
Venezuela wirtschaftliche Kontakte zur EU und China, um mehr Märkte
zu erschließen. Trotzdem haben sie große Kritik an der EU und
ihrer Umsetzung.
In der Außenpolitik versucht Venezuela eine souveräne Politik
zu machen. Insbesondere will man die Kontakte zu Kuba intensivieren und die
Einheit Lateinamerikas und der Karibik im sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen
und militärischen Bereich herstellen. Ein erster Schritt waren die
verbilligten Ölpreise für Lateinamerikanische Länder.
Weitere Themenschwerpunkte in der Außenpolitik sind der Plan Kolumbien
und die Freihandelszone. Venezuela hat den Überflug für US-Flugzeuge
verboten. Außerdem wird es als neutrales Gebiet für Verhandlungen
zwischen der FARC-EP und der ELN genutzt.
Das Freihandelsabkommen wurde mit dem Versprechen erzielt, dass die Lateinamerikanischen
Länder wachsen und gedeihen. Venezuela ist das einzige Land, welches
diesen Vertrag nicht unterschrieben hat. Es soll zunächst eine Volksabstimmung
geben.
Es herrscht ein Klima der Reaktion und Verschwörung,
weil insbesondere die USA den Weg Venezuelas nicht hinnehmen wollen. So
wird versucht, das Land zu destabilisieren, wobei die USA sehr stark von
den Massenmedien unterstützt werden. Ein Beispiel ist die Kampagne der
sozialdemokratischen Gewerkschaften, die der Regierung Verletzung der Freiheit
der Gewerkschaften vorwerfen, weil diese die alten Tarife gekündigt
hat. Die Gewerkschaften fordern jetzt Lohnerhöhungen wie noch nie zuvor
und streiken. Diese recht kleinen Proteste werden von den Massenmedien hochgekocht.
Andere Gruppen, die Ultras, verüben Bombenattentate und gewaltsame Proteste.
All das zielt darauf ab das Ansehen Chavez zu untergraben, mittlere Kader
zu demoralisieren und somit eine Stärkung der Konservativen herbeizuführen.
Ein anderes Beispiel ist der Fall Montesinos. Der ehemalige peruanische
Geheimdienstchef – ein Synonym für Folter und Korruption – floh mit
Hilfe des CIA und des FBI nach Venezuela und versteckte sich dort ohne Wissen
der Regierung. Chavez wurde vorgeworfen den Verbrecher zu schützen,
die Medien stiegen gleich groß mit einer beispielslosen Stimmungsmache
ein. Als Chavez das hörte, reiste er nach Peru und versprach, Montesinos
sofort auszuliefern, wenn er weiß, wo er steckt. Letztlich wurde Montesinos
ausgeliefert, die Kampagne missglückte.
Eine militärische oder gewaltsame Eskalation von Seiten der Reaktion
und der USA wird aber derzeit ausgeschlossen. Die Rechten und Reaktionäre
sind zu schwach im Militär vertreten, um Einfluss ausüben zu können.
Eine Gefahr geht eher vom Plan Kolumbien aus. Man fürchtet, dass dieser
auch auf Venezuela ausgeweitet wird. Die USA werden auch versuchen wirtschaftlichen
Druck auf Venezuela auszuüben und sie so in die Freihandelszone zu zwingen.
Außerdem versuchen sie ihre Fraktion im Militär zu stärken.
Ein Militärputsch ist aber nicht möglich, weil eine direkte Intervention
politische und finanziell zu gefährlich wäre.
Zur Zeit findet eine Neudefinition der Nationalen Sicherheit
statt. Die Beziehungen zwischen Militär und Volk werden neu strukturiert.
Wie das genau aussieht ist nicht klar. Es finden Militäraustausche mit
Kuba statt.
Es ist sehr wichtig, für den Zeitpunkt vorzusorgen, wenn der revolutionäre
Prozess radikalisiert wird und die rechten bzw. konservativen Kräfte
aus der Regierung ausscheiden. Die revolutionären Kräfte müssen
weiter Fuß fassen, weil die Schwankenden bald zu Feinden werden können.
Im Staatsapparat befinden sich noch viele Beamte der alten Regierung, die
die Reformen der Regierung nicht konsequent durchsetzen und damit zu einer
Verunsicherung und Spaltung des Volkes beitragen.
Die KP sieht keine politischen Differenzen zu Chavez, wohl
aber zu Kräften, die ihn unterstützen. Deshalb muss die KP und
die Jugendorganisation gestärkt werden. Seit 96 befindet sich die KP
im Wiederaufbau. Die kommunistische Jugend hat ca. 1000-1500 Mitglieder,
die Partei 3000-4000. Die Partei hat aber vor allem eine qualitative
Stärkung erfahren. Ihr Einfluss in bestimmten Gebieten ist gewachsen.
Zum Beispiel ist ein Kommunist Vorsitzender des nationalen Fraueninstituts.
Sie sind in vielen Ministerien präsent, aber zum Glück nicht in
der Leitung, da dies ein zu großer Arbeitsaufwand wäre, worunter
die Partei leiden könnte. Im Dezember hat die KP Venezuelas ihren Parteitag.
Sie wollen den Kontakt zu uns beibehalten und intensivieren.
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