Gemeinsame Erklärung der SDAJ und der
AMS zur Vorbereitung der 15. Weltfestspiele, Juni 2001
Auf zu den Weltfestspielen
– trotz alledem!
Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend
(SDAJ) als Mitglied des Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) und die
Assoziation Marxistischer StudentInnen (AMS) als einzige bundesweite marxistische
Studierendenorganisation rufen zur Teilnahme an den 15. Weltfestspielen in
Algerien auf. Sie haben an der Vorbereitung der Weltfestspiele teilgenommen
und werden als Teil der Delegation aus der BRD an dem Festival teilnehmen
und es vor Ort mit gestalten.
In Algerien gingen und gehen Jugendliche und
Studierende gegen Massenarbeitslosigkeit, Armut und für ihre Rechte
auf die Straße. Der Ausgangspunkt der Proteste, die Kabylei, ist eine
der ärmsten Regionen Algeriens mit besonders drastischer Jugendarbeitslosigkeit.
Der Tod eines Jugendlichen im Polizeigefängnis war der unmittelbare Auslöser
der Proteste, die sich schnell verschärften und radikalisierten. Insbesondere
wehren sich kabylische Jugendliche gegen Ausgrenzung und die Beschneidung
ihrer kulturellen Rechte wie die Weigerung der algerischen Regierung, die
Berbersprache Tamazight offiziell anzuerkennen. Doch längst lassen sich
die Proteste nicht mehr auf solche kulturellen Forderungen reduzieren. Die
Mehrzahl der Parteien hat das Vertrauen und auch die Kontrolle über einen
Teil ihrer Anhänger verloren. Insbesondere gilt dies für die sozialdemokratische
FFS und die links-demokratische und antiislamistische RCD, die ihre Basis
hauptsächlich in der Kabylei hatten. Die Versprechen des Präsidenten,
den Berbern mehr Rechte zuzugestehen, kamen zu spät. Die Regierung reagierte
mit Gewalt und schoss auf die demonstrierenden Jugendlichen. Über 80
Todesopfer waren das Ergebnis. Ein Ende der Proteste und der blutigen Repression
ist auch über einen Monat nach ihrem Beginn nicht absehbar.
Die SDAJ und die AMS erklären ihre Solidarität
mit den Jugendlichen und Studierenden, die in Algerien für ihre Rechte
kämpfen, und verurteilen das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Für
uns ist es nicht akzeptabel, dass diese mit Waffengewalt gegen Demonstrantinnen
und Demonstranten vorgehen. Wir fordern ein sofortiges Ende der brutalen Unterdrückung
und die sofortige Freilassung aller während der Proteste festgenommenen
Jugendlichen sowie die Bestrafung der für die Todesopfer Verantwortlichen.
Dennoch werden wir an unserem Vorhaben, an
den Weltfestspielen teilzunehmen, festhalten. Die Weltfestspiele der Jugend
und Studenten werden nicht von der algerischen Regierung veranstaltet und
sind keine Werbeveranstaltung für sie, sondern ein Treffen der antiimperialistischen
Jugend der Welt. Sie sind ein Forum der Jugend der Welt, sich auszutauschen
über die Zustände in ihren Ländern, über ihre Kampfbedingungen
und auch über gemeinsame Strategien im Kampf gegen Imperialismus, Rassismus,
Faschismus und religiösen Fundamentalismus.
Das algerische Volk und die Jugendorganisationen
UNJA und UNEA haben uns dafür den Platz geboten und für diese
Einladung sind wir dankbar. Den Widerspruch, die kämpfende Jugend der
Welt einzuladen und gleichzeitig auf den Protest der eigenen Jugend und Studierenden
mit Repression und Schüssen zu reagieren, muss Algerien selbst auflösen.
Und dazu fordern wir auf. Wir wollen in Algerien auch mit der Jugend des Landes
diskutieren. Und wir sehen unsere Teilnahme an den Weltfestspielen auch als
Zeichen unseres Protestes gegen die imperialistische Einmischung in Algerien,
die einen Großteil der wirtschaftlichen Situation - also auch der Probleme
Jugendlicher in Algerien - mit verursacht hat.
Mit den Auseinandersetzungen in Algerien wächst
bei Teilen der etablierten Parteien Algeriens wie auch in der EU und der
NATO der Ruf nach imperialistischer Intervention "zur Verteidigung der Menschenrechte".
Wir stellen fest, dass eine Intervention der NATO und/oder der EU keine
Lösung sein kann, sondern die Unterdrückung und Ausbeutung der
algerischen Bevölkerung nur verschärfen würde. Eine Lösung
der hinter der Konfrontation in Algerien stehenden wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Widersprüche kann nur gegen den Imperialismus und seine
Handlanger, niemals durch oder mit ihm erreicht werden.
Auf zu den Weltfestspielen - trotz alledem!
Solidarität mit den kämpfenden Jugendlichen
und Studierenden Algeriens!
SDAJ-Bundesvorstand
AMS-SprecherInnenrat
Juni 2001
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